Ein stetiges Diskussionsthema: Entwurmung

Wie oft und womit soll ich meinen Hund/ meine Katze entwurmen? Schaden die Medikamente meinem Tier mehr als sie nützen?

Grundsätzlich sollte man bei der Diskussion um die Notwendigkeit von Entwurmungen beachten, daß es immer noch viele Wurminfektionen bei Hund und Katze (und allen! weiteren Tierarten) gibt. Daher sollte man berücksichtigen, dass die Entwurmung des eigenen Haustieres nicht nur dazu dient, den eigenen Wurmbefall zu behandeln sondern auch die Ausbreitung infektiöser Wurmstadien zum Schutz anderer Tiere und des Menschen eindämmen soll!
Die Wurmarten, mit denen wir im Rhein-Main-Gebiet am meisten konfrontiert werden, sind Bandwürmer und Spulwürmer. Beide Arten haben auch für den Menschen pathologische Bedeutung! Besonderes Zoonoserisiko haben die Spulwürmer von Hund und Katze, da es hier nach oraler Aufnahme infektiöser Spulwurmeier durch den Menschen zu einer Körperdurchwanderung von Larven kommen kann. Werden hierbei Nervenbahnen, Augen (600 gemeldete Fälle in D im Jahr 2007!) und Gehirn des Menschen befallen, hat dies ernsthafte gesundheitliche Folgen. In bereits bis zu 83% der öffentlichen Sandkästen in Deutschland wurden infektionstüchtige Spulwurmeier gefunden (Becker et al 1996). Infiziert sich der Mensch mit dem Fuchsbandwurm Echinococcus multilocularis kann es zur Zystenbildung in Leber und anderen Organen kommen.Infektionsweg ist nach neuesten Erkenntnissen weniger der Genuss von Waldfrüchten als die Infektion über ein kontaminietes Haustier (besonders Hunde). Generell muss man beachten, dass man sich als Mensch nicht nur direkt über Schleimhautkontakt mit dem Kot sondern auch durch Kontakt mit dem beleckten Fell von Hund und Katze infizieren kann. Laut einer Studie von esccap (s.u.) haben 20% aller Hunde Spulwurmeier im Fell.

Es geht aber natürlich auch um den Schutz unserer Tiere vor Wurmkrankheiten, nicht nur um uns Menschen: Hunde und Katzen können schwere Darmentzündungen durch Wurmbefall bekommen. Chron. Durchfall, häufiges Erbrechen (Katzen!), wechselnder Appetit, Blutarmut, Verstopfung, Fell- und Hautkrankheiten sind häufige Symtome von Parasitosen. Jungtiere können durch Wurmbefall im Wachstum zurückbleiben und auch sterben. Entscheidend für den Erfolg der Wurmbehandlung ist die Häufigkeit der Entwurmung. Veterinärmedizinische Studien belegen, dass erst ab einer viermal jährlich vorgenommenen Behandlung eine deutliche Minderung der Wurmeierausscheidung eintritt. Eine Studie bei Katzen zeigte, dass noch 80% aller Freigängerkatzen, die zweimal jählich entwurmt werden und 20 % aller Wohnungskatzen noch Wurmeier ausscheiden. Aus der Summe dieser vielen Studien entsteht die Empfehlung zu einer regelmässigen Entwurmung unserer Haustiere im Abstand von mindestens 3 Monaten (Epe, Parasitologisches Inst. Tierärztliche Hochschule Hannover). Diese Behandlung kann durch eine Untersuchung von Kotproben nur dann ersetzt werden, wenn diese mindestens einmal monatlich vorgenommen wird. Bei einer Untersuchung des Kotes im Abstand von 3 Monaten ist die Gefahr falsch negativer Befunde zu hoch.
Nach Dr. Epe sollten in bestimmten Fällen sollten sogar noch weitere zusätzliche Entwurmungen durchgeführt werden: So sollte bei Flohbefall gegen den durch Flöhe auf Hund und Katze übertragenen Bandwurm Dipylidium caninum behandelt werden. Hunde und Katzen, die mit rohem Fleisch (Barfen) ernährt werden oder jagen und regelmässig Beutetiere (Mäuse etc. ) fressen und Hunde die regelmässig auf sogenannten "Hundewiesen" ausgeführt werden, sollten wegen der erhöhten Kontaminatiosgefahr häufiger als alle drei Monate entwurmt werden.
In Familien mit Kindern, im Umfeld von Schwangeren, chronisch kranken oder immunsupprimierten Personen ist sogar eine monatliche Entwurmung zu empfehlen, um das Zoonoserisiko maximal zu vermindern.
Für Europa hat das European cientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP) eine offizielle Leitlinie für die Kontrolle von Endoparasiten bei Hunden und Katzen erstellt. Die Leitlinie und steht als pdf-Datei unter www.esccap.org zur Verfügung.
Stellt man die Gefahr für Mensch und Tier durch Wurmbefall der Belastung des Tieres mit Anthelmintika (Wummittel) gegenüber, so gewichten die Argumente für eine regelmässige Entwurmung auf jeden Fall mehr. Organische Schäden eines gesunden Haustieres durch ein zugelassenes Entwurmungspräparat sind sehr unwahrscheinlich.Gelegentlich kommt es zu gastrointestinalen Symptomen (Erbrechen und Durchfall), insbesondere jedoch wiederum bei Tieren, die mit Würmern befallen sind. Diese Symtome werden dann oft durch den Zerfall der Würmer und die freiwerdenden Giftstoffe der Würmer verursacht.


Bald sind die Plagegeister wieder da. Da die Frostperiode zwar intensiv aber zu kurz war müssen wir dieses Jahr wieder mit einer intensiven Zecken- und Mückenbelastung rechnen. Inzwischen weiss man, dass durch Zecken nicht nur die weitverbreitete Borreliose übertragen werden kann. Auch zwei weitere, durch Zecken in Rheinland-Pfalz verbreitete Erkrankungen haben zunehmend an Bedeutung gewonnen: die Babesiose und die Anaplasmose.

Bei der Anaplasmose handelt es sich um eine durch den Holzbock, unsere häufigste heimische Zecke, übertragene Erkrankung, die vor allem Veränderungen des Blutbildes mit Anämie (Blutarmut) und Thrombopenie (Mangel an Blutplättchen und damit Störung der Blutgerinnung) aber auch weitere vielfältige Symtome wie Fieber, Lahmheit, Schwäche, zentralnervöse Veränderungen u. v. a. hervorruft. Gerade die Unspezifität und die Vielfältigkeit der Symptomatik erschweren die Diagnose oft. Die Krankheit ist vermutlich schon seit Jahren in unserem Gebiet verbreitet, sie wurde jedoch erst vor ca. drei Jahren durch Forschungen im Bereich der Borreliose-Diagnostik entdeckt. Auch in unserer Praxis haben wir inzwischen mehrere Hunde behandelt, mindestens zwei Hunde sind allerdings infolge ihrer schweren Blutveränderungen verstorben.Die meisten der betroffenen Tiere aus unserer Praxis wohnen im Bereich Budenheim und Gonsenheim, was vermutlich an der intensiven Zeckenbelastung in diesen waldreichen Wohngebieten liegt.Gegen Anaplasmose gibt es keine Impfung, es wird diskutiert, ob die Borrelioseimpfung einen geringen Synergieeffekt gegen die Anaplasmoseerreger hat. Wichtigste Maßnahme gegen diese Erkrankung ist die ZECKENPRÄVENTION. Auch wenn unter den Tierbesitzern manchmal ablehnende Meinungen gegenüber diesen Präparaten auftauchen, da sie schädlich für die inneren Organe ihrer Tiere seien, so muss festgestellt werden, dass es bisher keine wissenschaftlichen Beweise hierfür gibt. Wissenschaftlich bewiesen ist jedoch die Pathogenität, d.h. die krankmachende Wirkung der durch Zecken übertragenen Erreger. Wir raten Ihnen daher aus tierärztlicher Sicht dringend, Ihre Haustiere regelmässig vor den Zecken zu schützen.

Die Babesiose ist inzwschen auch als Hundemalaria bekannt und wird über eine in Deutschland erst seit einigen Jahren vorkommende Zecke, die Auwaldzecke oder braune Hundezecke, übertragen. Diese Zecke ist erst in den letzten Jahren infolge der globalen Erwärmung in Deutschland verbreitet und damit ist auch die Krankheit nach Deutschland und ganz konkret auch nach Rheinland-Pfalz gekommen. Der bei der Blutmahlzeit übetragene Krankheitserreger ist ein Blutparasit, der die roten Blutkörperchen des Hundes zerstört. Blutarmut und Schwäche sind die Folge. Die Krankheit endet ohne Behandlung tödlich, führt aber auch bei jedem zehnten Hund trotz Behandlung zum Tod. In Frankreich gibt es eine Impfung gegen Babesiose. In Deutschland ist dieser Impfstoff mangels Zulassung (aufgrund häufiger Nebenwirkungen) noch nicht erhältlich.
Somit bleibt auch hier nur die ZECKENPRÄVENTION als Schutz vor dieser Erkrankung.

Wer sein Haustier vor Zecken schützt, schützt auch sich selbst vor durch Zecken übertragene Erkrankungen!

Seien Sie sich bewusst, dass sie durch Zeckenschutz bei Ihrem Haustier auch sich selbst schützen! Nicht geschützte Hundeund Katzen schleppen Zecken in die Wohnung, die dann auch den Menschen als Wirt ansaugen können. Vor allem Kinder sind durch den meist engen Kontakt zum Tier und auch zum Wohnungsboden gefährdet! Zumindest von der Borreliose weiss man inzwischen, dass auch der Mensch schwer erkranken kann. Auch wenn bei langhaarigen Hunden der Schutz manchmal nicht hundertproznetig ist, mindert sich zumindest die Anzahl der Zecken am Tier deutlich und damit haben Sie auch schon etwas bewirkt!

Lassen Sie die Zecke untersuchen!

Ist es passiert und die Zecke hat gebissen, werfen Sie die Zecke - vor allem wenn Sie den Menschen befallen haben - nicht weg! Unser Veterinärlabor kann die Zecke auf Krankheitsüberträger untersuchen! Bringen Sie uns die Zecke in die Praxis und wir lassen Sie untersuchen. Die Zecke sollte nicht in Alkohol eingelegt werden.


   
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